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Zum ersten Mal in der über
zwanzigjährigen Geschichte der Johann – Philipp – Bronner Schule
Wiesloch fanden am 1. Juli offizielle Verabschiedung und Abiturball der
Absolventen des Wirtschaftsgymnasiums Jahrgang 2006 im Palatin gemeinsam
statt. Die Neuerung kam gerade recht zur Weltmeisterschaft. So brauchten
die Fußballfans freitags das wichtige Spiel Deutschland-Argentinien nicht
zu versäumen und hatten dann samstags einen Grund mehr, zu feiern. Mit
wohl gesetzten Worten begrüßte die Leiterin des Wirtschaftsgymnasiums,
Studiendirektorin Gabriele Treiber, die Anwesenden und leitete über zu
den traditionellen Gedanken zum Abschied, die in diesem Jahr
Oberstudiendirektor Reinhard Müller, der Leiter der Johann – Philipp
– Bronner Schule, mitteilte. Er beglückwünschte die Abiturienten zur
bestandenen Prüfung und sprach zunächst über die Problematik von Zeit.
Zeit hat einen messbaren Aspekt:
Sekunden, Minuten, Stunden... Zeit ist das, wovon wir alle zu wenig haben,
die Zeit läuft uns davon. Zeit sollte deshalb bestmöglich genutzt
werden: vom Individuum, von Gruppen, von nationalen Gesellschaften, von
Menschen in einer globalisierten Welt. Globalisierung, so der Schulleiter
weiter, sei in aller Munde: für die einen Heilsversprechen einer offenen
Welt von Morgen, für die anderen Ursache für die Übel unserer Zeit.
Auch in Deutschland liefere die Globalisierung Hiobsbotschaften aller Art.
Arbeitskosten, Umwelt- und Sozialstandards seien zu hoch und nicht mehr
finanzierbar im globalisierten Wettbewerb der Unternehmen. So rechtfertige
der Maßstab Wettbewerbsfähigkeit nahezu alle Einschnitte z.B. in unser
Soziale Netz, in Arbeitnehmerrechte und Verbraucherschutz. Und doch
profitiere gerade Deutschland von der Globalisierung: jeder fünfte
Arbeitsplatz sei vom Export abhängig. So wären ohne den Welthandel noch
mehr Menschen arbeitslos. Als reisefreudiges Volk sei es gerade für uns
positiv, dass wir in ferne Länder günstig reisen können. Und doch: die
Kräfteverhältnisse verschieben sich. China und Indien machen uns bald
auch auf innovativen Feldern ernsthaft Konkurrenz, z.B. durch mittlerweile
topp ausgebildete und hochmotivierte Arbeitskräfte. Kostensenkung allein
hält Reinhard Müller für unzureichend. Problemlösungen mit Augenmaß
seien gefordert. Klar sei: wir können nicht mit den Arbeitskosten von
Brasilien oder Indien konkurrieren. Deshalb müssen wir viel besser als
teuer sein. Dazu seien Bildung, Wissenschaft und Forschung der Schlüssel.
Unser Bildungssystem brauche Veränderung. Solides Wissen und kritisches
Denken, Neugier und Experimentierfreude müssten stärker gefördert
werden. Das erreiche man nicht kostenneutral. Die Gesellschaft müsse
bereit sein, in Bildung und Forschung mehr zu investieren, und das möglichst
rasch, ohne blinden Aktivismus zu verbreiten. Fachwissen habe eine immer kürzere
Halbwertszeit. Immer wichtiger werde die Fähigkeit, sich neues Wissen
schnell und gleichzeitig solide anzueignen und ebenso schnell anzuwenden.
Eigenschaften, wie Eigeninitiative, Entscheidungs- und
Verantwortungsbereitschaft, sowie Kommunikationsfähigkeit treten immer
mehr in den Vordergrund. Der Lernende ist in den Lernprozessen nicht mehr
Konsument, sondern ein Handelnder. Er muss sich stärker engagieren und
seine Motivation stärker entwickeln als bisher. Ansätze sind im
Wirtschaftsgymnasium bereits verwirklicht. Ganztagesschulen begrüßte
Reinhard Müller grundsätzlich, warnte aber auch vor der Gefahr, dass
Ganztagesschulen zu reinen Aufbewahrungsanstalten verkommen könnten.
Keinen einfachen Weg sieht der Leiter der Bronner Schule, aber er brachte
seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die Herausforderung -durch
Globalisierung verursacht- zu meistern sei.
Nach diesen Gedanken zum Abschied
zeichnete Oberstudiendirektor Reinhard Müller vierzehn Schülerinnen und
Schüler mit Lob und Preis aus, die in der Oberstufe mit besonderen
Leistungen geglänzt hatten. Darüber hinaus erhielt Kristina Scheuermann
den Preis für die beste Leistung im Profilfach Volks- und
Betriebswirtschaftslehre mit wirtschaftlichem Rechnungswesen, Kirsten
Keilbach den Scheffelpreis für hervorragende
Leistungen im Fach Deutsch, Rasha Taubi den Apollinaire Preis für
hervorragende Leistungen im Fach Französisch und Julia Grimmer den Preis
für besonderes Engagement im Ehrenamt. Den diesjährigen
Heinrich-Heine-Preis für besonderes Engagement im Deutsch-Unterricht, den
Wolfram Koschmieder, ehemaliger Lehrer an der Bronner Schule gestiftet
hatte, wurde der Jahrgangsbesten Kristina Scheuermann überreicht. Ihres
Preises würdig erwies sich die frischgebackene Scheffel-Preis-Trägerin
Kirsten Keilbach in ihrer Rede.
Nicht die WM, sondern Schüler und
Lehrer der vergangenen drei Jahre waren -ausgewogen formuliert- das Thema.
Fazit: die Zeit an der Bronner Schule hatte aus einem anfangs ungebildeten
Haufen von neunzig Schülerinnen und Schülern einen gebildeten Haufen
junger Menschen gemacht, die ihre Lebensfreude nicht eingebüßt hatten.
Herzlich gratulierte im Anschluss der Vorsitzende des Fördervereins der
Bronner Schule, Alex Wolf den Abiturienten. Selbst einmal
Wirtschaftsgymnasiast im Hause, stellte er die Arbeit des Fördervereins
vor und die Möglichkeit über eine Mitgliedschaft mit der Bronner Schule
verbunden zu bleiben. Musikalisch umrahmt wurde der erste Teil der
Veranstaltung von Thessa Ruda am Klavier und der Sängerin Nadine
Kapourgatzidis. Eine Pause gab allen Gästen die Gelegenheit, sich am Büffet
des Palatin mit Nahrhaftem zu versorgen. Der zweite Teil des Abends stand
ganz im Zeichen des ABI Slogans: „ABI goes to Hollywood ...jetzt führen
wir Regie“. Ein in der ABI Zeitung liegendes TV-Programmheft gab einen
Überblick über die zu erwartenden Highlights. Den Anfang machte ein von
Gustl Riemensperger modernisiertes
Märchen: „Cinderella“ als Komödie. Es folgten Power- Point unterstützte
Rückblicke der beiden Klassenfahrten nach Konstanz und Barcelona, eine
Parodie auf die Bully- Parade,
professionell choreographierte getanzte Songs aus Sister Act, Grease und
Dirty Dancing. Die Akteure wurden immer wieder mit stehenden Ovationen
gefeiert. Die Talkshow des Abends wurde von den vier Stammkursleitern des
diesjährigen Jahrgangs bestritten. Sind Schüler wirklich so unmotiviert?
Klassenfahrten wozu? Ergebnis: Schüler brauchen Motivation und
Engagement, um ein gutes Abitur zu schaffen. Absoluter Höhepunkt des
Abends: das Männerballett des Jahrgangs 2006 mit der Biene Maja. Am Ende
des Abends angelangt, sah man noch viele nun ehemalige Schülerinnen und
Schüler im Gespräch mit ihren nun ehemaligen Lehrerinnen und Lehrern.
Fs
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