|
| |
„Die haben
sogar promoviert auf Methoden, wie man Leute weich
bekommt.“
|
|
Berichte aus einer
deutschen Diktatur. Zwei ehemalige
politische Gefangene liefern einen Rückblick auf die DDR. |
|
|
|
Seit 1989, seit dem Sturz des kommunistischen Systems in
Ostdeutschland, ist bei uns eine neue Generation herangewachsen, die die DDR
nur noch vom Hörensagen kennt. Um der zunehmenden Unwissenheit über die
zweite deutsche Diktatur entgegenzuwirken, hat der Berliner Senator für
Bildung, Wissenschaft und Forschung in der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen eine Pädagogische Arbeitsstelle eingerichtet. Von
der Gedenkstätte aus wurde die „Zeitzeugenbörse“, ein Netzwerk an ehemaligen
politischen Gefangenen aufgebaut. Hier engagieren sich Menschen, die
hochmotiviert sind, über die ehemalige DDR zu berichten. |
|
Am Donnerstag, den 31.3. 2011, stellten sich zwei
Zeitzeugen, ehemalige politische Gefangene, die 1981 und 1982 von der
Bundesrepublik Deutschland für jeweils ca. 90 000.- DM freigekauft worden
waren, in der Aula der Johann-Philipp-Bronner Schule den Fragen mehrerer
Schulklassen. Sie berichteten über ihre Erfahrungen aus der kommunistischen
Diktatur, aus einem Staat, der sich offensichtlich nur zum Schein als
Rechtsstaat ausgegeben hat. |
 |
|
Werner Konik (geb. 1955 in Pollitz) arbeitete als
EDV-Facharbeiter in einem Rechenzentrum. Er war Musiker in einer populären
Rockband und sah sich selbst als Freigeist. Ein Studium wurde ihm mehrfach
verwehrt. Bei einer Reise in die Tschechoslowakei wurde er im April 1979
festgenommen. Wegen "Republikflucht" zu zwei Jahren verurteilt, wurde er
durch eine Amnestie im November 1979 in die DDR entlassen, wo er unter
anschließendem Berufsverbot und einem erzwungenen Umzug litt. Im Oktober
1981 gelangte er im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik.
Lange Jahre, von 1985 bis zu seiner Pensionierung, arbeitete er als hoch
qualifizierter Mitarbeiter bei der Firma SAP. |
|
|
|
Horst Savelsberg (geb. 1945
in Jeetze) wurde erstmalig im April 1966 wegen "Wehrdienstverweigerung" und
"Republikflucht" zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach vorzeitiger
Haftentlassung absolvierte er ein Fernstudium zum Ingenieur und war als
Betriebsleiter tätig. Nach einem Ausreiseantrag erhielt er Berufsverbot und
wurde arbeitslos. Im Januar 1978 wurde er erneut verhaftet und wegen
"staatsfeindlicher Hetze" zu fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Nach
seiner Entlassung im Dezember 1979 infolge eines Amnestiebeschlusses wurde
er innerhalb der DDR verbannt und litt unter beruflicher Degradierung. Seine
dritte Verhaftung erfolgte im Februar 1981 nach einem erneut gestellten
Ausreiseantrag. Verurteilt zu weiteren fünf Jahren wegen "staatsfeindlicher
Hetze" und "Nachrichtenübermittlung", gelangte er im Rahmen des
Häftlingsfreikaufs im September 1982 in die Bundesrepublik.
Die Erfahrungen ehemaliger
Häftlinge ermöglichen eine Beschäftigung mit der jüngsten deutschen
Geschichte, die oftmals mehr bewirkt als viele Unterrichtsstunden. Das hat
sich auch in der Aula der Johann-Friedrich-Bronner Schule bewahrheitet.
Nach den Vorträgen, die durch Fragen unterbrochen werden konnten, blieben
viele Schüler noch für eine Nachbesprechung bei den Referenten – und wären
gerne noch länger geblieben... So viel Interesse würde sich jeder
Geschichtslehrer auch wünschen.
FS |
| |
|