|
Zeiler:
Was bringt einen Hauptschüler oder einen Werkrealschüler dazu, auf die
Wirtschaftsschule zu wechseln?
Schüler:
Eine große Rolle spielt das Hörensagen. Wenn z.B. jemand einen Abschluss
in der Wirtschaftsschule geschafft hat, dann wird er in den meisten
Betrieben eher angenommen als ein Haupt- oder Werkrealschüler. So was
spricht sich schnell herum. Die Ausbildungsbetriebe bevorzugen
BFW-Schüler. Und wenn man auf die Anschlussmöglichkeiten nach oben, also
auf einen besseren schulischen Abschluss schaut, dann lockt natürlich der
Gang auf das berufliche Gymnasium, wo man innerhalb von drei Jahren das
Abitur machen kann. Mit dem Abitur hat man beruflich dann noch mehr
Möglichkeiten. Wer seine Fähigkeiten hoch einschätzt oder sich beim Lernen
eher für einen Spätzünder hält, der spekuliert halt auf das Abitur.
Zeiler:
Was hat die
Wirtschaftsschule für euch gebracht?
Schüler:
Wichtig ist dort vor allem das Profilfach. Es sind die Kenntnisse im
Bereich der Wirtschaft, die einem später weiterhelfen. Im Berufsleben
spielt das ja auch eine Rolle –und da ist man den anderen Lehrlingen, die
auch eine duale Ausbildung machen, schon etwas überlegen. Ein
Wirtschaftsschüler kennt sich schon ein wenig im Rechnungswesen aus, hat
die vielen juristischen Begriffe, wie z.B. Erfüllungsstörungen im
Kaufvertrag, schon mal gehört, weil er in so und so vielen Fallbeispielen
aus der Wirtschaft einiges schon durchgesprochen hat.
Auch im Gymnasium, also der dreijährigen Oberstufe des
Wirtschaftsgymnasiums, hat man Vorteile, wenn man aus der
Wirtschaftsschule kommt, weil das Profilfach wiederum Wirtschaft (VBL)
ist. Es gibt viele deckungsgleiche Inhalte und man fängt dort nicht bei
Null an.
Nicht nur in Bezug auf BWL (Betriebswirtschaftslehre) weiß man schon
einiges, auch in Richtung VWL (Volkswirtschaftslehre), ist Vieles schon
angesprochen worden: Was das „magische Viereck“ mit Wachstum,
Preisstabilität, Vollbeschäftigung und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht
ist, das lernt man auf der Wirtschaftsschule, aber auch einige Probleme
der Globalisierung werden dort behandelt.
Für einen Schüler ist es von Vorteil, dass hier die Lehrer umfassend
ausgebildete Fachlehrer sind, die einem auch bei schwierigen fachlichen
und persönlichen Fragen weiterhelfen können und sagen können, worauf das
gerade Erlernte hinausläuft. Die machen einem auch klar, dass man seine
Arbeitseinstellung ändern muss, wenn man was erreichen will.
Neben BWL- Inhalten spielt an der Wirtschaftsschule auch das
Rechnungswesen eine große Rolle, wo man neben Buchführung und
Kostenrechnung auch Prozent- und Zinsrechnen anwendet. Alle diese Inhalte
zusammen bilden das Lehrfach VBRW, zu deutsch: „Volks- und
Betriebswirtschaftslehre mit wirtschaftlichem Rechnungswesen“. Dann kommen
auch immer wieder einige Schüler dazu, die haben den Dreisatz noch nicht
richtig drauf –und das wird hier in der Wirtschaftsschule eingeübt.
Zeiler:
Ist die
Wirtschaftsschule eher gut für einen Sprung ins Gymnasium oder bringt sie
in erster Linie einen Startvorteil für den Einstieg in die Duale
Ausbildung in einen Beruf?
Schüler:
Wer eine Lehrstelle in einer Bank bekommt, der hat natürlich in der
Wirtschaftsschule schon einiges gelernt, was er dort gebrauchen kann –und
kommt gleich gut zurecht. Es lockt aber auch das eigene Geld, wenn es
einen früher in den Beruf zieht. Man will unabhängiger sein. Danach, d.h.
nach der Dualen Ausbildung kann man immer noch ans WG gehen und in drei
Jahren das Abitur machen. Es sind dann halt Schüler dabei. Es sind dann in
einer Elf jüngere Schüler dabei, die noch wenig vom Ernst des Berufslebens
verstehen und ältere Schüler aus dem Berufsleben, die das Lernangebot am
WG sehr schätzen, allerdings auch ein wenig aus dem schulischen
Lernrhythmus raus sind.
Wer in der Wirtschaftsschule auf eine sehr lernwillige Gruppe trifft, die
einen nicht demotiviert, der wird eher gleich weitermachen wollen in
Richtung Abitur. Das wirkt natürlich bei der Entscheidung WG oder Lehre
mit. Wenn man gleich weitermacht und auf das Gymnasium geht, dann bleibt
man im Lernrhythmus, denn es ist durchaus wieder eine Umstellung von der
Arbeitswelt in die Schule. Leicht ist das nicht.
Egal wie man weitermacht: auch im Fach Englisch wie im Fach Deutsch hat
man einen Vorteil, weil man in der Wirtschaftsschule das Textverständnis
übt und auch lernt, eigene Texte zu verfassen. Man muss seine Aussagen
klar gliedern, was ja wohl im Berufsleben als auch am Gymnasium wichtig
ist. Und es sind hier die Fachlehrer, die vor allem im Fach Englisch
weiterhelfen können, wenn man alleine nicht mehr weiterkommt.
Alles in allem können wir die Wirtschaftsschule aus unserer Sicht mit
gutem Gewissen weiterempfehlen.
Zeiler:
Vielen Dank für
eure Einschätzung!
Fs |