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Die Wirtschaftsschule –Chance zum Weitermachen

Der ehemalige Radio- und Fernsehjournalist Detlef Zeiler interviewte vor dem Hintergrund einer beginnenden Umstrukturierung des Schulwesens in Baden – Württemberg zwei Absolventen der Wirtschaftsschule (Berufsfachschule für Wirtschaft/ BFW).

Vanessa Pelzl und Stefan Kehrer besuchen nach ihrem erfolgreichen Abschluss der Berufsfachschule für Wirtschaft derzeit eine Eingangsklasse des Wirtschaftsgymnasiums (WG) der Johann – Philipp – Bronner Schule Wiesloch. Stefan Kehrer ist außerdem im aktuellen Schuljahr einer der vier Schulsprecher des WGs.

Zeiler: Was bringt einen Hauptschüler oder einen Werkrealschüler dazu, auf die Wirtschaftsschule zu wechseln?

Schüler: Eine große Rolle spielt das Hörensagen. Wenn z.B. jemand einen Abschluss in der Wirtschaftsschule geschafft hat, dann wird er in den meisten Betrieben eher angenommen als ein Haupt- oder Werkrealschüler. So was spricht sich schnell herum. Die Ausbildungsbetriebe bevorzugen BFW-Schüler. Und wenn man auf die Anschlussmöglichkeiten nach oben, also auf einen besseren schulischen Abschluss schaut, dann lockt natürlich der Gang auf das berufliche Gymnasium, wo man innerhalb von drei Jahren das Abitur machen kann. Mit dem Abitur hat man beruflich dann noch mehr Möglichkeiten. Wer seine Fähigkeiten hoch einschätzt oder sich beim Lernen eher für einen Spätzünder hält, der spekuliert halt auf das Abitur.

Zeiler: Was hat die Wirtschaftsschule für euch gebracht?

Schüler: Wichtig ist dort vor allem das Profilfach. Es sind die Kenntnisse im Bereich der Wirtschaft, die einem später weiterhelfen. Im Berufsleben spielt das ja auch eine Rolle –und da ist man den anderen Lehrlingen, die auch eine duale Ausbildung machen, schon etwas überlegen. Ein Wirtschaftsschüler kennt sich schon ein wenig im Rechnungswesen aus, hat die vielen juristischen Begriffe, wie z.B. Erfüllungsstörungen im Kaufvertrag, schon mal gehört, weil er in so und so vielen Fallbeispielen aus der Wirtschaft einiges schon durchgesprochen hat.

Auch im Gymnasium, also der dreijährigen Oberstufe des Wirtschaftsgymnasiums, hat man Vorteile, wenn man aus der Wirtschaftsschule kommt, weil das Profilfach wiederum Wirtschaft (VBL) ist. Es gibt viele deckungsgleiche Inhalte und man fängt dort nicht bei Null an.

Nicht nur in Bezug auf BWL (Betriebswirtschaftslehre) weiß man schon einiges, auch in Richtung VWL (Volkswirtschaftslehre), ist Vieles schon angesprochen worden: Was das „magische Viereck“ mit Wachstum, Preisstabilität, Vollbeschäftigung und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht ist, das lernt man auf der Wirtschaftsschule, aber auch einige Probleme der Globalisierung werden dort behandelt.

Für einen Schüler ist es von Vorteil, dass hier die Lehrer umfassend ausgebildete Fachlehrer sind, die einem auch bei schwierigen fachlichen und persönlichen Fragen weiterhelfen können und sagen können, worauf das gerade Erlernte hinausläuft. Die machen einem auch klar, dass man seine Arbeitseinstellung ändern muss, wenn man was erreichen will.

Neben BWL- Inhalten spielt an der Wirtschaftsschule auch das Rechnungswesen eine große Rolle, wo man neben Buchführung und Kostenrechnung auch Prozent- und Zinsrechnen anwendet. Alle diese Inhalte zusammen bilden das Lehrfach VBRW, zu deutsch:  „Volks- und Betriebswirtschaftslehre mit wirtschaftlichem Rechnungswesen“. Dann kommen auch immer wieder einige Schüler dazu, die haben den Dreisatz noch nicht richtig drauf –und das wird hier in der Wirtschaftsschule eingeübt.

Zeiler: Ist die Wirtschaftsschule eher gut für einen Sprung ins Gymnasium oder bringt sie in erster Linie einen Startvorteil für den Einstieg in die Duale Ausbildung in einen Beruf?

Schüler: Wer eine Lehrstelle in einer Bank bekommt, der hat natürlich in der Wirtschaftsschule schon einiges gelernt, was er dort gebrauchen kann –und kommt gleich gut zurecht. Es lockt aber auch das eigene Geld, wenn es einen früher in den Beruf zieht. Man will unabhängiger sein. Danach, d.h. nach der Dualen Ausbildung kann man immer noch ans WG gehen und in drei Jahren das Abitur machen. Es sind dann halt Schüler dabei. Es sind dann in einer Elf jüngere Schüler dabei, die noch wenig vom Ernst des Berufslebens verstehen und ältere Schüler aus dem Berufsleben, die das Lernangebot am WG sehr schätzen, allerdings auch ein wenig aus dem schulischen Lernrhythmus raus sind.

Wer in der Wirtschaftsschule auf eine sehr lernwillige Gruppe trifft, die einen nicht demotiviert, der wird eher gleich weitermachen wollen in Richtung Abitur. Das wirkt natürlich bei der Entscheidung WG oder Lehre mit. Wenn man gleich weitermacht und auf das Gymnasium geht, dann bleibt man im Lernrhythmus, denn es ist durchaus wieder eine Umstellung von der Arbeitswelt in die Schule. Leicht ist das nicht.

Egal wie man weitermacht: auch im Fach Englisch wie im Fach Deutsch hat man einen Vorteil, weil man in der Wirtschaftsschule das Textverständnis übt und auch lernt, eigene Texte zu verfassen. Man muss seine Aussagen klar gliedern, was ja wohl im Berufsleben als auch am Gymnasium wichtig ist. Und es sind hier die Fachlehrer, die vor allem im Fach Englisch weiterhelfen können, wenn man alleine nicht mehr weiterkommt.

Alles in allem können wir die Wirtschaftsschule aus unserer Sicht mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

Zeiler: Vielen Dank für eure Einschätzung!

Fs

 
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