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Verabschiedung der Absolventen der Kaufmännischen Berufsschule

„Lernst du noch oder lebst du schon?“ Auf diese Frage ging der Leiter der Kaufmännischen Berufsschule (KBS) der Johann – Philipp – Bronner Schule Wiesloch, Studiendirektor Walter Kenz, am 18. Juni vor den anwesenden Auszubildenden und Ausbildern, Lehrern und Eltern, Freunden und Bekannten in der Aula des Berufsschulzentrums bereits in seiner Begrüßung ein, um sie später in seinen Gedanken zur Entlassung der Berufsschüler zu beantworten.

So witzig und kreativ der Spruch auf den ersten Blick auch sei, er unterstelle, so Kenz weiter: Lernen und Leben schließe sich gegenseitig aus. Erst wenn das Lernen ein Ende habe, fange das Leben so richtig an. Man könne diese Haltung leicht nachvollziehen, denn erfolgreiches Lernen sei mit großen Anstrengungen verbunden, und die Vorbereitungen auf die Abschlussprüfung sei Stress pur, also genau das Gegenteil von dem, was sich der Otto – Normal - Verbraucher unter Leben so vorstelle.

74 Schülerinnen und Schüler haben die diesjährige kaufmännische Abschlussprüfung bestanden; darunter  erstmalig 13 Informatikkaufleute und 9 IT – Systemkaufleute.

Außerdem haben 9 Schülerinnen und Schüler an der vom Ministerium für Kultus und Sport ins Leben gerufenen freiwilligen Zertifizierungsprüfung für „Berufsbezogenes Englisch“ teilgenommen - erfolgreich.

Studiendirektor Walter Kenz lenkte nunmehr die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf die aktuelle bildungspolitische Diskussion. Das Thema: Ausbildung sei in Öffentlichkeit und Politik lange nicht mehr so wichtig genommen worden. Angesichts rückläufiger Ausbildungsverträge: 63.000 weniger seit 1998 und steigender Zahlen nicht vermittelter jugendlicher Bewerber um einen Ausbildungsplatz, melde der diesjährige Bundesbildungsbericht regierungsamtliche Zweifel an der Fortdauer des dualen Ausbildungssystems an. Immer mehr junge Menschen strömten statt in die duale Ausbildung in die Vollzeitschulen. So steigen die Schülerzahlen in Wirtschaftsschule, Berufskolleg und Wirtschaftsgymnasium der Bronner Schule stetig an. Kenz ging auf den zwischen Bundesregierung und Spitzenverbänden der Wirtschaft freiwilligen Ausbildungspakt ein und mahnte weitergehende Reformen in Sozial-, Steuer- und Arbeitsmarktpolitik an. Nur Unternehmen, die optimistisch in die Zukunft blicken könnten, würden auch in die Berufsausbildung investieren. Darüber hinaus klagten aber immer mehr Betriebe über die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger. Die Einstellung zu schulischem Lernen habe sich zum Negativen hin verändert. Drastisch verringert habe sich z. B. die Wertschätzung, die Schüler und Eltern dem Unterricht und dem Lehrenden entgegenbringen. Kenz zitierte dazu den amerikanischen Medienwissenschaftler Neil Postman. An Stelle der Erkenntnis- und Wahrnehmungsanstrengung sei das Zerstreuungsgeschäft, das totale Entertainment, der Unterhaltungsindustrie getreten. So stehe die eigene Anstrengung weniger hoch im Kurs als das unterhalten werden. Der Leiter der KBS griff zwei in der Öffentlichkeit weniger beachtete Studien der OECD und der Kultusministerkonferenz aus dem letzten Jahr auf, in denen übereinstimmend ein Zusammenhang zwischen der Leistungsfähigkeit des Schulsystems eines Landes und der Leistungsfähigkeit seines Wirtschaftssystems festgestellt wurde und die gegenwärtige Schwäche unserer Wirtschaft auch an der nachlassenden Lernbereitschaft der Jugendlichen hinge. Einen dritten Punkt wollte Kenz noch betonen: der berufsbildende Bereich sei der einzige, in dem Deutschland unter den OECD – Ländern im Augenblick noch ganz oben mitspiele.

An die Adresse der Absolventen ging der Appell zu kontinuierlichem Lernen als Grundprinzip des Arbeitens, ja des Lebens. Walter Kenz schloss mit dem eingangs erwähnten Spruch: „Lernst du noch oder lebst du schon?“ und entlarvte ihn als eine Alternative, die in Wirklichkeit gar keine sei. Leben und Lernen gehörten untrennbar zusammen, seien eine Notwendigkeit. Die Ausbildung von heute sei eben keine Garantie für einen gesicherten Lebensstandard.

Der Leiter der Johann – Philipp – Bronner Schule Wiesloch, Oberstudiendirektor Reinhard Müller, zeichnete die besonders erfolgreichen Schülerinnen und Schüler mit einem Preis bzw. einem Lob aus. Reinhard Müller brachte seine Freude über die hervorragenden Leistungen zum Ausdruck, erinnerte gleichzeitig daran, dass die Wirtschaft Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft erwarte und hohe Motivation. Oberstudienrätin Evelyn Gleich übergab die Englisch – Zertifikate und dann erhielten die Absolventen der Kaufmännischen Berufsschule die lange ersehnten Abschlusszeugnisse durch ihre Klassenlehrer (Lutz, Pfeiffer, Rochlitz, Geider-Starke u. Kenz).

Ferry Kummer und Goran Köhler aus der Informatikklasse sprachen stellvertretend für den Abschlussjahrgang ihren Dank aus an die Lehrer, die ihr bestes gegeben hätten. Sie erinnerten an den störenden Baulärm für den Umbau der Schule, lobten die sehr gute Ausstattung im Bereich der Datenverarbeitung und die Möglichkeit, während der Schulzeit, Zusatzqualifikationen zu erwerben. Auch die beiden nun ehemaligen Berufsschüler mahnten das Weiterlernen an, damit man nicht ins Abseits gerate und gaben ihren Mitstreitern ein chinesisches Sprichwort mit auf den Weg: „Essen vertreibt Hunger, Lernen vertreibt Dummheit“.

Bleibt unbedingt noch zu erwähnen, dass die Feierstunde musikalisch umrahmt wurde von Christina Zeibekakis, die bereits 2003 ihre Berufsschulprüfung bestanden hatte, und Dominik Steegmüller. Sie führten die Gäste in die Welt des Musicals und gaben gekonnt, voller Esprit und ausdrucksstarken Stimmen Ausschnitte aus „Miss Saigon“ und „Grease“ zum Besten. Walter Kenz beendete die Veranstaltung mit herzlichen Glückwünschen an die Absolventen und einer Einladung zu einem kleinen Buffet. Ganz im Sinne schulartenübergreifender Tradition der Bronner – Schule hatte Conny Geider – Starke es mit Schülern der Berufsfachschule für Wirtschaft ansprechend vorbereitet. Dies bewirkte noch ein Verweilen bei guten Gesprächen.

 

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