Die Gäste des diesjährigen
Abiballs des Wirtschaftsgymnasiums (WG) der Johann-Philipp-Bronner Schule
Wiesloch im Palatin fanden sich im offiziellen Teil der Veranstaltung zunächst
in einer Biologiestunde wieder, die die Leiterin des WG, Studiendirektorin
Gabriele Treiber, mit einer Begrüßung aller Anwesenden verband. Die
eigentliche Ansprache an die Absolventinnen und Absolventen des
Wirtschaftsgymnasiums hielt Oberstudienrat Georg John. Dass Schüler im
Deutschunterricht vor der Klassenarbeit eine Musterlösung wollen, wäre
schon etwas unpassend. Aus pädagogisch/ psychologischen Gründen gehe der
passionierte Deutschlehrer mittlerweile auf die Bitte seiner Schülerinnen
und Schüler ein. Aber nur, damit diese vor der Klassenarbeit ruhig
schlafen könnten. Gerade im Fach Deutsch mache diese Art der Vorbereitung
auf eine Klassenarbeit keinen Sinn. Das habe nun auch die moderne
Hirnforschung bestätigt. Es bestehe nämlich aus einer Unmenge von
Nervenzellen, die mehr oder weniger weitverzweigt miteinander in Kontakt
stehen. Je nach dem w i e
wir unser Gehirn beanspruchen, verändern sich die Verbindungen
zwischen den Nervenzellen, lassen sich also die Kapazitäten des Gehirns
mehr nutzen -oder weniger. Es konnte nachgewiesen werden, dass Taxifahrer
in Großstädten andere Verbindungen in ihrem Gehirn ausbilden als
Jugendliche, die täglich mehrere SMS in ihr Handy eintippen. In unserer
heutigen Zeit, die sich immer schneller verändert, sei es außerordentlich
wichtig, nicht für alle Probleme immer die gleichen Verbindungen der
Nervenzellen zu nutzen, also nicht alle Probleme per Musterlösung zu
beheben, sondern immer wieder neue Verbindungen zwischen
den Nervenzellen anzulegen, also nach n
e u e n Lösungen zu suchen.
Georg John bekräftigte seine Ausführungen mit einem Beispiel aus der
Pflichtlektüre „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller: Die Liebe
der Bürgerstochter Luise Millers zu dem Präsidentensohn Ferdinand
scheiterte daran, dass Luise das Standesdenken des 18. Jahrhundert so
verinnerlicht hatte, dass sie ihrer Liebe freiwillig entsagte, und an
gebrochenem Herzen stirbt. Alle Menschen sollten sich von Zeit zu Zeit von
überholten Verbindungen ihrer Nervenzellen, also veralteten Musterlösungen
trennen. Als überholt bezeichnete Georg John dabei auf dem politischen
Parkett internationaler Beziehungen das Recht des Stärkeren, weiter die
Illusion, dass das Beste für die Menschheit herauskomme, wenn jeder seine
eigenen Interessen vertritt und zuletzt eine Betrachtung der Welt allein
aus Rentabilitätsaspekten unter gleichzeitiger
Missachtung der Umwelt. Die Betroffenheit über eingestandene
Fehler, wie oben, sei die wichtigste Triebkraft, sich zu verändern und
neue, bessere Problemlösungen anzustreben. Dazu brauche man Geduld und
einen festen Willen, nicht wieder in altes Fahrwasser zu geraten. Das wünschte
Georg John den Absolventen des WG. Nach diesen Gedanken zum Abschied
zeichnete Oberstudiendirektor Reinhard Müller, der Leiter der
Johann-Philipp-Bronner Schule Wiesloch dreizehn Schülerinnen und Schüler
mit Lob und Preis aus. Zusätzlich erhielt Stephanie Gefäller den Preis für
die beste Leistung im Profilfach des WG: „Volks- und Betriebswirtschaft
mit wirtschaftlichem Rechnungswesen“ und den Scheffelpreis für
hervorragende Leistungen im Fach Deutsch, Lena Dammert erhielt
den Apollinaire-Preis
für hervorragende Leistungen im Fach Französisch, und Sibel Yurtsever
erhielt den Preis für
besondere Bemühungen zugunsten der Mitschüler und der Schule. Zum ersten
Mal wurde ein Preis für hervorragende Leistungen im Fach Evangelische
Religion verliehen: Den Thomas-Naogeorgus-Preis erhielt Anika Proske.
Thomas Naogeorgus wurde 1508 oder 1509 als Thomas Kirchmeyer in Straubing
geboren. 1530 schloss er sich der Reformation an. In den Jahren zwischen
1535 bis 1563 war er als Prediger und Pfarrer in verschiedenen Städten
Deutschlands tätig. In dieser Zeit verfasste er mehrere Dramen, die auch
in andere Sprachen übersetzt wurden, darunter ein Epos, das sich gegen
das Papsttum richtete. Im Januar 1563 schließlich wurde er Pfarrer in
Wiesloch, wo er am 29. Dezember desselben Jahres an der Pest verstarb.
Nachdem alle Preise vergeben waren, ergriff die diesjährige
Scheffelpreisträgerin der Bronner Schule, Stephanie Gefäller, das Wort:
„Was sagt man an einem solchen Abend zu gegebenem Anlass?“ Mit Hilfe
von Zitaten aus Goethes „Faust“ ließ Stephanie Gefäller drei Jahre
Wirtschaftsgymnasium Revue passieren. „Es irrt der Mensch solang er
strebt“, sagte der Herr zu Mephisto. In der Tat sei es durch die Wirren
der Analysis gegangen, in die tiefen Abgründe der Finanzierung und durch
die endlosen Weiten von „Effie Briest“. Das Zeugnis, der Preis für
dreijähriges Streben? „Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug
als wie zuvor“, sagt Faust dazu. Sind die Abiturienten wirklich klüger
geworden, nur weil sie mehr können als bei Eintritt in die Schule? Kann
man denn Wissen in Form von Noten ausdrücken? Wissen, von dem man einen
Großteil bereits wieder vergessen hat? Ist das Bildung? Faust verzweifelt
daran, dass er nach Jahren des Studierens immer noch nicht allwissend ist.
Seine Verzweiflung treibt ihn dem Teufel in die Arme. Die Scheffelpreisträgerin
macht des weiteren deutlich, dass die Abiturienten nicht verzweifeln müssen:
die Reise des Wissens wird nämlich ein Leben lang weitergehen. Es gibt
immer wieder Neues zu verstehen, zu erleben. Es gibt noch viele Irrgärten
draußen in der Welt, die es zu erobern gilt. Gelernt habe man, Probleme
logisch und auf schnellstmöglichem Weg zu lösen, Sachverhalte aus
mehreren Blickwinkeln zu betrachten, kostengünstig zu denken und dass es
ohne Leistung keinen Erfolg gibt. Und das Zeugnis bestätige, dass man in
allen vergangenen Klausuren, GFS und Prüfungen am WG erfolgreich war.
Diejenigen, die schon einen Ausbildungsplatz oder einen Platz an einer
Berufsakademie haben, mussten sich in Einstellungstests, Assessment-
Centern und Vorstellungsgesprächen gegen viele andere Bewerber
durchsetzen. Dabei wurde der ganze Mensch beurteilt und das sei gut.
Schließlich lasse sich ein Mensch nicht auf eine Dezimalzahl beschränken.
Stephanie Gefäller verlieh am Ende ihrer Rede ihrer Zuversicht Ausdruck,
sie sei ehrlich davon überzeugt, dass alle Schüler im Saal das zeug dazu
hätten Großes zu leisten, wohin immer sie auch kämen. Selbst Faust
hatte alle seine Ziele erreicht. Im Anschluss gab es für die
Abiturientinnen und Abiturienten einen letzten offiziellen Händedruck von
ihren Klassenlehrern Werner Bender, Günther Katz, Michael Rochlitz und
Michael Ries in Verbindung mit dem heißbegehrten Abiturzeugnis der
Allgemeinen Hochschulreife. Erstmalig wurden gute Leistungen in der neu
eingerichteten Russisch AG zertifiziert. Für die musikalische Umrahmung
dieses Teils des Abiballs sorgte gekonnt, im Ton mal besinnlich, mal
heiter, Ronja Tropf mit ihrem Saxophon.
In der Essenspause,
die offiziellen und inoffiziellen Teil der Veranstaltung verband, gab es
ausgiebig Gelegenheit zu Gesprächen. Man konnte dabei so manchen nun
ehemaligen Schüler
beobachten, wie er sich von seinem Lieblingslehrer verabschiedete.
Den Auftakt des
eigentlichen Abiballs bildete ein Ballett, das in modern dancing überging.
Die Elektronik machte es möglich, den Gästen eine wahre Sintflut von
Fotos zu präsentieren: Ausflüge, Busfahrten, Studienreisen... Das Männerballett,
diesmal in Cowboykleidung statt im Ballettröckchen, ließ im Saal
Stimmung aufkommen und der Auftritt der Back- Street- Boys- Double
veranlasste das Publikum zu andauernden Beifallstürmen. Ein letztes Mal
wurden die Stammkursleiter (Klassenlehrer) an diesem Abend von ihren Schülern
aufs Tablett gehoben: in Videoclips, im Rätselraten, in ungezählten Märchendarstellungen
und im Quiz-Taxi. Gegen 23.30 dann: ein letzter Gruß aller
Abiturientinnen und Abiturienten von der Bühne des Stauffersaals im
Palatin und „Alter SchlABI – endlich Abi 2007“ war Geschichte...
Lob-und Preisträger
Ein Lob für ein Gesamtergebnis zwischen 2,0 und 2,2 erhielten:
Lukas Kistl, Anika Proske, Tugba Erol
Einen Preis für ein Gesamtergebnis besser als 2,0 erhielten:
Stephanie Gefäller, Christian Scheuring, Jessica Langer, Tanja Schöner,
Lena Dammert, Mirko Maier, Marius Weis, Manuel Hecker, Isabell Sauer,
Lukas Schäffner
Den Preis für die beste Leistung im Profilfach des WG: „Volks- und
Betriebswirtschaft mit wirtschaftlichem Rechnungswesen“ und den
Scheffelpreis für hervorragende Leistungen im Fach Deutsch erhielt
Stephanie Gefäller
Den Apollinaire-Preis für hervorragende Leistungen im Fach Französisch
erhielt
Lena Dammert
Den Thomas-Naogeorgus-Preis für hervorragende Leistungen im Fach
Evangelische Religion erhielt
Anika Proske.
Den Preis für besondere Bemühungen zugunsten der Mitschüler und der
Schule erhielt
Sibel Yurtsever