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Die traditionelle
Ansprache hielt dieses Jahr Oberstudienrat Klaus Rothmaier von der
Fachschaft Deutsch. Die Gesellschaft sei härter geworden, zitierte er aus
Henning Mankells berühmten Kriminalroman „Die Fünfte Frau“. Doch auch in der
Wirklichkeit spüre man, dass die Stimmung in unserer Gesellschaft
angespannter geworden sei in der letzten Zeit. Da will einerseits die
Deutsche Industriebank ihre Milliardenverluste aus faulen Immobilienkrediten
in USA aus dem Topf der Steuerzahler ausgleichen, andererseits erweitere
sich derjenige Anteil an der deutschen Bevölkerung, der davon lebe, dass
andere Lebensmittel einsammelten, die nicht mehr offiziell gehandelt werden
könnten und dann an diese zu einem geringen Entgelt weiterveräußerten.
Bundesweit würden von diesen „Tafeln“ genannten Einrichtungen 800.000
Menschen versorgt, ein ¼ davon seien Kinder. Immer mehr Erzieherinnen im
Kindergarten und Grundschullehrerinnen und -lehrer
bekämen es mit Kindern zu tun, die zu Hause nicht verpflegt werden konnten.
Da könne man etwas von der Härte der aktuellen Verteilungskämpfe spüren. Mit
Ulrich Wickert, dem früheren Tagesthemenmoderator, beklagte Klaus Rothmaier,
dass politisches Handeln häufig nicht von moralischem Wollen begleitet
seien. Und die Jugend? In einer härter werdenden Welt suchten die
Jugendlichen Geborgenheit. Nach einer Shell-Studie seien sie der Meinung,
dass man eine Familie brauche, um wirklich glücklich leben zu können. Fleiß,
Ehrgeiz und Sicherheit seien als Werte im Aufwind. Die Sorgen der
Jugendlichen drehten sich deutlich stärker um Verlust des Arbeitsplatzes
oder darum, keine ihrer Vorbildung entsprechende Beschäftigung zu finden.
Gegen Ende seiner Rede verwies der Oberstudienrat auf ein Zitat von Goethe,
der im „Faust“ Gott sagen lässt: „Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen
grünt, dass Blüt und Frücht die künft’gen Jahre zieren.“ Rothmaier
wünschte den Abiturientinnen und Abiturienten, dass sie auf ihrem weiteren
Lebensweg bei Bedarf ein paar solche Gärtner finden mögen, die sie
gelegentlich in Pflege nähmen, und dass sie trotz aller Härten genug
Spielraum hätten, wenigstens einige ihrer Träume zu verwirklichen.
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Nach diesen Gedanken des passionierten
Deutschlehrers zur Verabschiedung der Abiturienten zeichnete
Oberstudiendirektor
Reinhard Müller, der Leiter der Johann-Philipp-Bronner Schule Wiesloch
acht Schülerinnen und Schüler mit Lob und Preis aus. Zusätzlich erhielt
Jonathan Pfeiffer den Preis für die beste Leistung im Profilfach des
Wirtschaftsgymnasiums: „Volks- und Betriebswirtschaft mit
wirtschaftlichem Rechnungswesen“, den Scheffelpreis für hervorragende
Leistungen im Fach Deutsch hatte sich Eva Rapp erarbeitet, Brinja
Eiffler erhielt den Apollinaire-Preis für ausgezeichnete Leistungen im
Fach Französisch, und Benjamin Starke erhielt den Preis für besonderes
soziales Engagement zugunsten der Mitschüler und der Schule. Für
hervorragende Leistungen im Fach Evangelische Religion wurde der
Thomas-Naogeorgus-Preis an Simon Trimpin verliehen. Naogeorgus wurde um
1508 als Thomas Kirchmeyer in Straubing geboren. Im Alter von 22 Jahren
schloss er sich der Reformation an. Im Januar 1563 schließlich wurde er
Pfarrer in Wiesloch, wo er am 29. Dezember desselben Jahres an der Pest
verstarb. Simon Trimpin bekam auch den Heinrich-Heine-Preis für
besonderes Engagement im Deutsch-Unterricht, den Wolfram Koschmieder,
ein ehemaliger Lehrer an der Bronner Schule gestiftet hatte. |
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Nachdem alle Preise
überreicht waren, ergriff die aktuelle Scheffelpreisträgerin der Bronner
Schule, Eva Rapp, das Wort: „Wie das Motto unserer Jahrgangstufe „Abiwatchers
08“ vermuten lässt, liegen uns Fitness und Gesundheit am Herzen.“ Ein
Vergleich mit den Fußballern unserer Zeit müssten sie nicht scheuen. Sie
hätten sogar der deutschen Nationalelf etwas voraus: Die Abiturienten hätten
ihre Spiele für diese Saison schon zu Ende gebracht. Und sie seien eben auch
nicht nur elf Feldspieler, sondern stolze neunundsechzig. Der Trainerstab
sei ebenfalls überraschend groß, sowie vielfältig ausgebildet und deshalb
seien die Abiturienten nicht nur in Sport fachkundig. Alle diese Fähigkeiten
haben die Schüler im ganz persönlichen Finale -der Abiturprüfung- unter
Beweis gestellt. Spätestens seit Kafka sei jedem von ihnen klar, dass es
immer verschiedene Sichtweisen gebe, Vorgefallenes -wie z.B. den
Gesamt-Abi-Schnitt von 2,9- zu interpretieren. Aus
diesem Grund könne man weder die eine noch die andere Seite allein
verantwortlich machen. Wie man an der Europameisterschaft sehe, sei Erfolg
eben auch eine Frage des Teamgeists, so Eva Rapp weiter. Und: Gewinnen mache
gemeinsam einfach am meisten Spaß.
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Große Freude kam unter
den Abiturienten auf, als die Klassenlehrer Hans- Jürgen François,
Brigitte Peter, Günter Pfeiffer und Bettina Sieber die heißbegehrten
Abiturzeugnisse übereichten, immer mit einem Händedruck und einem
persönlichen Abschiedswort für jeden Schüler. |
Musikalisch
umrahmt wurde dieser erste Teil des ABI-Balls von Mitgliedern des
Musikvereins St. Leon-Rot, die es verstanden, alle Anwesenden bereits zu
Beginn der Veranstaltung in Feststimmung zu versetzen. Jennifer Dickersons
ausdrucksstarke Stimme regte die Anwesenden mit Songs wie u.a.
"A Fine Frenzy" und
"Dear Mr. President" gekonnt
zum Nachdenken und Träumen an. Am Klavier begleitete sie Hanna Mall, die
Tochter von Nicolasa. Im gleitenden Übergang zum zweiten Teil des ABI Balls
wünschte Benjamin Starke von der Bühne aus dem Lehrer Edwin Santner alles
Gute zu seinem heutigen Geburtstag, worauf die Anwesenden im Saal in ein
„Happy Birthday“ einstimmten. Die obligatorische Pause nutzten die Gäste zum
Essen und für Gespräche, musikalisch unterhalten durch die Band „Up To Date“
aus Speyer. |