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Abiball 2009 der Absolventen des Wirtschaftsgymnasiums der Johann – Philipp – Bronner Schule Wiesloch

Nur wenige Gäste, die am 27. Juni 2009 abends den Palatin in Wiesloch betraten, konnten wissen, dass der ABI Ball gerade zehn Jahre und einen Tag alt geworden war. Am 26. Juni 1999 gestalteten die damaligen Absolventen ein Fest der Superlative. Die Schüler-Moderatoren begrüßten z.B. die Anwesenden in elf Sprachen, um die ethnische Vielfalt an ihrer Schule zu dokumentieren. In diesem Jahr, 2009,  begrüßten der Leiter der Bronner Schule, Oberstudiendirektor Reinhard Müller und die Leiterin des Wirtschaftsgymnasiums, Studiendirektorin Gabriele Treiber die anwesenden Eltern, Schüler und Lehrer im Palatin.

Seit 2006 nämlich besteht der ABI Ball aus einem offiziellen Teil, in dem es die heißbegehrten Abiturzeugnisse gibt und aus einem weiteren Teil, in dem die Abiturienten selbst Regie führen. Die ABI Ball Rede hielten dieses Jahr Studienrätin Elke Beyerer und Oberstudienrat Michael Rochlitz: „Wir freuen uns, dass wir heute Abend nur glückliche Gesichter sehen!“ Die Eltern müssten nicht mehr zittern und ständig mahnen, die Lehrer seien froh, dass die besonders stressige Phase der Vorbereitung auf die Abiturprüfung ein Ende habe. Und an die Absolventen gewandt: „Habt ihr den heutigen Abend in seiner vollen Bedeutung erfasst!?“ Zunächst einmal hätte das Büffeln auf die Prüfung sein Ziel gefunden. Aber auch die Schulzeit sei zu Ende und damit ein Lebensabschnitt, an den sich so ziemlich jeder gewöhnt hatte. Michael Rochlitz lobte in diesem Zusammenhang die außergewöhnliche Gemeinschaft dieses Jahrgangs, die nicht automatisch entstehe. Man müsse mit denjenigen, mit denen man in der Eingangsklasse zusammengewürfelt würde, kommunizieren, sich engagieren und Regeln akzeptieren. Elke Beyerer hob die hohe Eigeninitiative und das große soziale Engagement des Jahrgangs 2009 hervor. Nicht überall werde die Arbeitsatmosphäre so angenehm sein wie an der Johann – Philipp - Bronner Schule. Aber mit ihrem bisher gezeigten sozialen Engagement könnten sie ja auch an ihrem künftigen Arbeitsplatz Atmosphäre schaffen. Als die Schüler vor drei Jahren an die Bronner Schule kamen, sei vor allem neu gewesen, dass man das Fach Wirtschaft nicht abwählen kann. Doch ein Wirtschaftsgymnasium ohne das Fach Wirtschaft sei wie Fußballspielen ohne Ball, so Michael Rochlitz weiter. Außerdem hätte das Fach auch einen praktischen Wert. Immerhin werde man z.B. im Vertragsrecht und Zahlungsverkehr geschult und lese nun sicherlich nicht nur aufmerksam das Kleingedruckte, sondern wissen auch mit modernen Zahlungsformen um zugehen. Buchführung und Kostenrechnung, insbesondere die Prozesskostenrechnung,  seien die schwierigeren Themen gewesen. Bei Themen zu Unternehmensformen, wie OHG, KG, GmbH und AG und zu Finanzierungsarten, wie Beteiligung, Selbstfinanzierung, Kreditaufnahme, hingegen konnten fleißige „Lerner“ ihre Punkte holen. Leider habe die Lehrplanreform zu einem Übermaß an zu bewältigendem Unterrichtsstoff geführt. So musste das Arbeitstempo erhöht werden, dringend notwendige Übungsphasen mussten ausfallen oder von den Schülern zu Hause durchgeführt werden. Dabei habe doch der Schüler unter normalen Bedingungen ein Recht, zum Unterrichtsstoff Fragen zu stellen, ein Recht auf die Miteinbeziehung  aktueller Themen, ein Recht auf ethische Reflexion des zu Lernenden. Das alles war mit dem aktuellen Lehrplan, dessen Inhalte erstmals 2009 abgeprüft wurden, nicht zu bewältigen. Das Durchjagen des Unterrichtsstoffes in der Schule glich eher einer Uni-Vorlesung als einem pädagogisch sinnvollen Unterricht. Sogar in den Faschingsferien fand Unterricht statt. Und in allen diesen widrigen Umständen haben die Schüler prima mitgezogen. Das verdiene den Respekt aller Anwesenden. Aufgrund dieser Erfahrungen habe sich die Bronner Schule mit anderen Wirtschaftsgymnasien für eine Lehrplanrevision stark gemacht. „Und während wir im Unterricht theoretisch u.a. Kosten minimierten, Gewinne maximierten, konnten wir alle mehr oder weniger life miterleben, wie das stetige Streben nach Wachstum und Steigerung der Rendite nicht nur einzelne Nationen, sondern die ganze Welt in die Krise stürzte“, so Elke Beyerer. In einer Arbeitsgesellschaft wie der unseren besonders dramatisch. Ob man es im Leben zu etwas gebracht habe, werde gerade in Deutschland über das Arbeitseinkommen definiert. Soziales Engagement trete dabei leider in den Hintergrund. Dass man statt Karrierestreben lieber Zeit mit seiner Familie verbringe, würde immer noch belächelt. In den wenigen zeitlich möglichen Diskussionen wurde die Einstellung der meisten Schüler immer wieder deutlich: So kann es nicht weiter gehen. Und: Man müsse nach alternativen Lösungen zu den herrschenden Systemen suchen.

Nach diesen Gedanken zeichnete Oberstudiendirektor Reinhard Müller, der Leiter der Johann-Philipp-Bronner Schule Wiesloch siebzehn Schülerinnen und Schüler mit Lob und Preis aus. Zusätzlich erhielt Lukas Brecht den Preis für die beste Leistung im Profilfach des Wirtschaftsgymnasiums: „Volks- und Betriebswirtschaft mit wirtschaftlichem Rechnungswesen“, den Scheffelpreis für hervorragende Leistungen im Fach Deutsch hatte sich Janina Kühn erarbeitet, Selina Herzog erhielt den Preis für besonderes soziales Engagement zugunsten der Mitschüler und der Schule. Für hervorragende Leistungen im Fach Evangelische Religion wurde der Thomas-Naogeorgus-Preis an Janina Kühn und Insa Osthoff verliehen. Yesim Demirel und Dominik Fischer wurden mit der Alfred-Maul-Medaille für Sport geehrt. Daniel Bürgermeister bekam den Heinrich-Heine-Preis für besonderes Engagement im Deutsch-Unterricht, den Wolfram Koschmieder, ein ehemaliger Lehrer an der Bronner Schule gestiftet hatte. Der Preisträger bedankte sich in wohlgesetzten Worten. Die Scheffelpreisträgerin Janina Kühn stellte ihr rednerisches Können unter Beweis: Erwachsensein oder Kind sein? Muss man sich denn für eine Seite entscheiden? Viele denken, das Erwachsensein -das Übernehmen von Verantwortung- beginnt  mit dem Ende der Schulzeit. Welchen Beruf wollen wir ausüben? Wollen wir studieren? Für manche erwächst daraus ein Wohnortwechsel. Gönnen wir uns noch einmal eine Auszeit, um über unsere Zukunftsziele nachzudenken? Doch machen uns diese Überlegungen erst zu Erwachsenen? Sich den Anforderungen des Führerscheins oder des Abiturs zu stellen, verlange ebenso die Übernahme von Verantwortung, so Janina Kühn weiter. Doch ist Erwachsensein einfach schlecht und Kindsein gut? Herbert Grönemeyer besingt in seinem Lied „Kinder an die Macht“ die positiven Seiten des Kindseins und rät, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Erwachsene in der Wirtschaft beispielsweise spekulieren auf möglichst viel Gewinn und verspekulieren sich, mit manchmal verheerenden Folgen für uns alle, wie man an der aktuellen Situation sehen kann. Ist es also wünschenswert, dass wir uns in eine Gesellschaft eingliedern, die von uns verlangt „erwachsen“ zu werden, obwohl der Begriff in diesem Zusammenhang eher negativ belegt ist? Natürlich müssen wir die Konsequenzen für unser Handeln tragen, also Erwachsen sein, doch sollten  Hoffnung, Spaß und Vision -also das Kind sein- nicht verdrängt werden. Denken wir nur an Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf. Von ihr können wir viel lernen. Sie verliert nie den Mut, egal wie ausweglos die Lage scheint. Sie hat außerdem eine genaue Vorstellung davon, wie ihre Welt zu sein hat. Sie hat eigene Ansichten, gibt selbst Bösewichten immer noch eine zweite Chance und kümmert sich aufopferungsvoll um Hilfsbedürftige, auch wenn sie selbst Hilfe gerade am nötigsten bräuchte. Seien wir viele Pippi Langstrumpfs, die nicht brav in der Ecke hocken, sondern deutlich ihre Standpunkte vertreten und dabei  noch Spaß haben. Gehören wir nicht zu denen, die blindlings urteilen und das Leben möglichst perfekt meistern wollen.

Als die Klassenlehrerin Elke Beyerer und die Klassenlehrer Werner Bender, Günther Katz und Michael Rochlitz „ihre“ Schülerinnen und Schüler auf die Bühne baten, wurde es feierlich. Per Händedruck wurden die langersehnten Abiturzeugnisse übergeben. Damit ging der offizielle Teil des ABI Balls zu ende. Nach einer Pause, in der die Gäste ihren kulinarischen Bedürfnissen nachgehen konnten, begann der zweite Teil des ABI Balls 2009. Exklusiv: eine ABI Band als musikalischer Leckerbissen. Ein Film führte den Anwesenden noch einmal Höhepunkte des Jahrgangs vor Augen.  Jennifer Dickerson ließ es sich nicht nehmen als Gast ihr sängerisches Können wieder einmal unter Beweis zu stellen. Auch alle anderen Vorführungen und Beiträge der Abiturienten waren auf hohem Niveau und fanden unter dem Publikum sehr großen Anklang. Gegen 00:00 hieß es dann Abschied nehmen. Insgesamt ein ABI Ball, der der Veranstaltung von vor zehn Jahren in Nichts nachstand.

Fs

 Einen Preis erhielten:

Jacqueline Bachthaler - Christina Bassing - Lukas Brecht - Daniel Bürgermeister - Claudia Ohlhäuser

Ein Lob erhielten:

Nima Amin - Tobias Fischer - Selina Herzog - Julia Huchthausen - Sophia Höppner - Kathrin Keller - Anna Klefenz - Janina Kühn - Christopher Kurz - Verena Lynott - Insa Osthoff - Tabea Schattmaier

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